5. Dezember 2016

Pflichtteil und gesetzliche Erbfolge

Pflichtteil und die gesetzliche Erbfolge

Das Anrecht auf einen Pflichtteil haben nur die engsten Verwandten nach der gesetzlichen Erbfolge. Die gesetzlichen Erben bestimmen sich nach der Erbfolge des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB). Das sind neben den Ehegatten die Verwandten, geordnet nach dem Verwandtschaftsgrad. Die engsten Verwandten sind die Kinder. Hat der Verstorbene keine Kinder, rücken die Enkelkinder an ihre Stelle. Hat er auch keine Enkelkinder, kommen die Eltern zum Zuge. Ist ein Elternteil verstorben, erben für ihn die Geschwister des Verstorbenen usw.

Pflichtteilsberechtigte

Die engsten Verwandten haben immer einen Anspruch auf den gesetzlichen Pflichtteil, auch wenn sie enterbt wurden. Sie können die Hälfte des Erbteils verlangen, der ihnen nach dem Gesetz ohne das Testament zufallen würde. Daher lohnt sich trotz Pflichtteil ein Testament. Für weitere Vorteile von Testamenten klicken Sie hier. Pflichtteilsberechtigte sind immer die Kinder des Verstorbenen und – falls keine Kinder vorhanden sind – seine Eltern. Schließlich sind die Ehegatten pflichtteilsberechtigt, doch im Berliner Testament setzen die sich ja gerade zu Alleinerben ein.

Vorsicht vor Pflichtteilsansprüchen

Pflichtteilsansprüche gefährden den Willen des Erblassers: die Erben müssen den Pflichtteil in Geld auszahlen, aber oftmals besteht der Nachlass nicht aus Bankkonten und Bargeld, sondern vor allem aus wertvollen Vermögensgegenständen wie Immobilien. Um den Pflichtteil zu begleichen müssen die Erben nun das Familienheim verkaufen. Notfalls droht sogar die Zwangsvollstreckung! Das macht die vom Erblasser erdachte Nachlassregelung schnell zu nichte.

Pflichtteilsentzug

Den Pflichtteil kann man fordern, muss es aber nicht. Als gesetzlichen Anspruch kann man den Pflichtteil nur in extremen Fällen entziehen, z.B. wenn der Pflichtteilsberechtigte schwere Straftaten begangen hat.  Ansonsten ist man vor den Ansprüchen nur sicher, wenn der Berechtigte freiwillig vor einem Notar auf seinen Anteil am Erbe verzichtet hat.

Pflichtteilsminderung durch Schenkung zu Lebzeiten

Sonst kann man sein Vermögen vor dem Pflichtteil nur sichern, indem man es schon rechtzeitig zu Lebzeiten verschenkt. Denn alles, was mindestens 10 Jahre vor dem Tod verschenkt wurde, ist dem Pflichtteil entzogen. Schenkungen, die 9 Jahre her sind, sind es zu 90% usw. Es bietet sich daher an, früh anzufangen, die Erben im Verhältnis ihrer zugedachten Erbteile zu bedenken. Ausgenommen sind die Ehegatten: egal wie lange Schenkungen unter Eheleuten her sind, man rechnet sie fiktiv dem Vermögen des Verstorbenen hinzu. Aus diesem erhöhten Vermögen berechnet sich nun der Pflichtteil.

Steuerfreibeträge bei Schenkungen ausnutzen

Aus zwei Gründen sollte man nicht gleich alles auf einmal verschenken: zum einen um im Alter noch angemessen gesichert zu sein, zum anderen damit Steuern die Schenkungen nicht aufzehren. Denn alle Beträge über dem jeweiligen Steuerfreibetrag unterliegen der Schenkungssteuer von bis zu 50%! Freibetrag und Steuersatz richten sich jeweils nach dem Verwandtschaftsgrad zwischen Schenker und Beschenktem.  Auch hier gilt eine Zehnjahresfrist: alle 10 Jahre können die Freibeträge wieder voll ausgeschöpft werden.

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